Bilanz Tourismusjahr 2020 in Kempten

Nach jahrelangen Erfolgsmeldungen aus dem Tourismus wurde der Aufwärtstrend 2020 durch die Corona-Pandemie gebrochen und die Bilanz 2020 bleibt wie erwartet weit hinter den Vorjahresergebnissen zurück. Dennoch sind auch positive Entwicklungen für Kempten zu verzeichnen und es gibt gute Aussichten für die Zeit nach dem Lockdown.


Wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus
Im September 2020 hat Kempten Tourismus die Ergebnisse der Erhebung „Wirtschaftsfaktor Tourismus für die Stadt Kempten 2019“ veröffentlicht, die erstmals die Bedeutung des Tourismus für die Wirtschaft der Stadt verdeutlichte. Vom 2019 durch Tourismus generierten Brutto-Umsatz in Höhe von 209,5 Mio. Euro profitierten insbesondere der Einzelhandel (82,9 Mio. Euro) und das Gastgewerbe (82,2 Mio. Euro). Aber auch dem Dienstleistungsgewerbe (44,4 Mio. Euro) brachten die Gäste eine beachtliche Summe ein. Dass die Gäste im Jahr 2020 aufgrund der Corona-Pandemie zeitweise fernblieben, hatte daher auch unmittelbare Auswirkungen auf diese Branchen.

Gäste-Ankünfte und -Übernachtungen
Die vom Bayerischen Landesamt für Statistik veröffentlichten Gäste-Ankünfte und -Übernachtungen im Jahr 2020 verdeutlichen den Besucherrückgang im Vergleich zu 2019: 2020 wurden in Kempten 99.688 (- 48,16 %) Ankünfte und 213.770 (- 35,62 %) Übernachtungen in gewerblichen Betrieben ab 10 Betten erfasst. 87,45 Prozent der Gäste kamen aus Deutschland, 2,56 Prozent aus den Niederlanden, 2,33 Prozent aus der Schweiz und 1,56 Prozent aus Österreich. Die Bettenauslastung ist von 60,4 Prozent in 2019 auf 41,7 Prozent in 2020 gesunken.
Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass die Kemptener Beherbergungsbetriebe im Sommer vom großen Interesse an der Urlaubsregion Allgäu profitierten und viele Gäste die freien Kapazitäten in der Stadt für Übernachtungen nutzten. Das brachte in den Monaten August und September sogar ein Plus bei der Anzahl der Übernachtungen im Vergleich zu den Vorjahresmonaten. Zudem ist die gestiegene Aufenthaltsdauer zu erwähnen. 2019 lag diese durchgehend bei unter zwei Tagen und im Jahresdurchschnitt bei 1,73 Tagen. Im Jahr 2020 hingegen lag der Jahresdurchschnitt bei 2,14 Tagen und der Höchstwert im April 2020 bei 4,34 Tagen. Das machte sich sowohl in den Hotels als auch bei der Tourist Information Kempten durch eine höhere Nachfrage nach Beratung zur Aufenthaltsgestaltung bemerkbar. Insbesondere Tipps für Ausflüge in die Region und Kartenmaterial zu Wander- und Radrouten waren sehr gefragt.

Stadtführungen

Auch die Zahlen der von Kempten Tourismus angebotenen Stadtführungen sind im Vergleich zu 2019 stark eingebrochen. Insgesamt haben 2020 über das Jahr verteilt 287 (- 69,95 %) Stadtführungen mit 3.458 (- 81,38 %) Teilnehmern stattgefunden. Der Rückgang ist insbesondere auf das Verbot von Busreisen zurückzuführen, da Reisegruppen in den vergangenen Jahren den Großteil der Stadtführungen ausmachten. Anstelle von Buchungen bearbeiteten die Mitarbeiterinnen von Kempten Tourismus zahlreiche Stornierungen.
Als Alternative zu den Stadtführungen in Begleitung der Gästeführer*innen hat Kempten Tourismus das Angebot an Erkundungstouren auf eigene Faust erweitert. Neben der digitalen Schnitzeljagd in der App Actionbound wurden im Mai 2020 zwei Touren in der auf Beacons basierenden App Chase it eingeführt. Ebenfalls von den Einschränkungen betroffen war das von Kempten Tourismus initiierte Qualifizierungsprogramm für Gästeführer*innen. Es konnten noch nicht alle Schulungstermine nachgeholt werden und die Prüfungen der Anwärter*innen stehen noch aus.

Ausblick
Stefanie Schmitt, Leiterin Kempten Tourismus, zeigt sich dennoch optimistisch: „Nach Ende des Lockdowns erwarten wir einen erneuten Ansturm auf das Allgäu als beliebte Ferienregion, was sich positiv auf Kempten auswirken wird. Wir arbeiten weiter an der Positionierung Kemptens als Ausgangspunkt zur Erkundung der Region, um die Aufenthaltsdauer der Gäste in Kempten vor allem langfristig zu verlängern und damit Gastronomie, Einzelhandel und das Freizeitangebot zu unterstützen. Die Zeit nach dem ersten Lockdown hat uns gezeigt, dass Kempten auch für längere Aufenthalte attraktiv ist“.