Geschichte Kemptens

Überblick Geschichte Kempten

Römerstadt, Doppelstadt & Allgäu-Metropole

Die Geschichte Kemptens reicht bis zu den Römern zurück – das bedeutet mehr als 2.000 Jahre Stadtgeschichte. Neben keltischer Siedlung und römischer Provinzhauptstadt erlangte Kempten auch als rivalisierende Doppelstadt Bekanntheit. Denn für lange Zeit gab es zwei konkurrierende Städte, die beide Kempten hießen, direkt nebeneinander. Unter bayerischer Führung wurden sie zwangsläufig wiedervereint und gelten heute als die Metropole des Allgäus.


Aber eins nach dem anderen, lesen Sie weiter und erfahren Sie alles über die wichtigsten Stationen in der 2.000-jährigen Geschichte Kemptens.

Gründung und Römerstadt Kempten

Wann genau die Geschichte Kemptens beginnt, lässt sich heute nicht mehr eindeutig belegen. Einen außergewöhnlichen Nachweis über das Alter der Stadt Kempten können Sie aber direkt am Eingang der Tourist Information entdecken. Hier befindet sich ein Auszug aus Strabons „Geografika“. Der altgriechische Geograf Strabon (ca. 63 v. Chr. bis 23 n. Chr.) schrieb in seinen frühen Bänden der Erdbeschreibung bereits von einer keltischen Polis – einer Stadt – Kambodunum.
Diese Erwähnung liefert Kempten nicht die ältesten archäologischen Funde, aber zumindest die älteste schriftliche Erwähnung einer Stadt in Deutschland. Aus der keltischen Siedlung Kambodounum entwickelte sich das römische Cambodunum und gewann an Bedeutung. Zahlreiche Ausgrabungen belegen, dass die damalige römische Siedlung einst Provinzhauptstadt war. Begleitetet von einer Ausstellung und in Kombination mit der Cambodunum App lässt sich heute am Original Schauplatz im Archäologischen Park Cambodunum der römische Alltag nacherleben.
Römerfiguren im APC
Besucher in den kleinen Thermen im Archäologischen Park Cambodunum
Ausgrabungen in den kleinen Thermen im Archäologischer Park Cambodunum
Gezeichnete Darstellung Karl des Großen
Außenansicht der Basilika St. Lorenz
Gezeichnete Darstellung der Hildegard

Die Anfänge in der Geschichte Kemptens

Nach den Römern wurde es still in Kempten – die Anfänge der Stadt und damit die Geschichte Kemptens im frühen Mittelalter liegen weitestgehend im Dunkeln. Bekannt ist, dass im ersten Jahrhundert nach Christus die St. Galler Mönche Magnus und Theodor in die heutige Allgäu-Metropole kamen. Theodor baute in Kempten neben einer Marienkirche auch eine Klosterzelle, aus dieser wurde einige Jahre später ein eigenständiges Kloster – das erste im Allgäu. Über die Jahre entwickelte sich aus dem Kloster das Stift Kempten mit zahlreichen Ländereien, Leibeigenen und immer mehr Einfluss. Außerdem erwähnenswert: 771 heiratete König Karl der Große die Herzogstochter Hildegard. Sie hatte verwandtschaftliche Beziehungen nach Kempten und wurde ab 773 große Wohltäterin des Klosters und so auch der Stadt Kempten. Einer der Gründe, weshalb Hildegard heute nicht nur Namensgeberin des Stadtmagazins „WildeHilde Kempten“ ist, sondern auch als Tipp-Geberin Ihre Fragen in unserem Chatbot beantwortet.

Die Doppelstadt – Fürststift Kempten und Reichsstadt Kempten

Scan einer Stadtansicht von 1569

Der Drang der Menschen nach Freiheit und einem Entfliehen der Leibeigenschaft begünstigte die Entwicklung von Städten in Europa. So geschah es, dass sich neben dem klösterlichen Stift Kempten – zu dem neben dem Kloster mittlerweile auch zahlreiche Ländereien und Leibeigenen gehörten – auch eine Siedlung mit dem Namen Kempten entwickelte. In dieser Siedlung, der späteren Reichsstadt Kempten, lebten vor allem freie Bürger, meist Handwerker und Händler.

Die Reichsstadt Kempten war schließlich durch ein Privileg König Rudolfs von Habsburg ab 1289 direkt dem König unterstellt, das klösterliche Stift Kempten und die dortigen Äbte – ab dem zwölften Jahrhundert sogar Fürstäbte – hatten aber weiterhin großen Einfluss auf die Reichsstadt. So mussten die reichsstädtischen Bürger*innen beispielsweise Steuern an das Stift Kempten bezahlen. Diese Unterdrückung und Abgaben sorgten natürlich bei den Bewohner*innen der Reichsstadt für große Unzufriedenheit und der Wunsch nach Unabhängigkeit wuchs.


Gemaltes Portrait von Gordian Seuter

Aber erst im Jahr 1525 bot sich für die Reichsstadt Kempten die Gelegenheit, die Geschichte Kemptens grundlegend zu verändern. Zu dieser Zeit wütete im Allgäu der Bauernkrieg und auch die Leibeigenen und Bauern des Fürststift Kemptens beteiligen sich daran. Die aufständischen Bauern plünderten das Kloster und zu seinem eigenen Schutz floh der damalige Fürstabt in die Reichsstadt Kempten.

Die Chance, die der unfreiwillige Besuch des Fürstabtes bot, ergriff der damalige Bürgermeister der Reichsstadt Kempten, Gordian Seuter. Als Gegenleistung für Schutz und Obdach kaufte Gordian Seuter dem Fürstabt dessen verbliebene Stadtrechte ab. So erlangte die Reichsstadt Kempten nach über drei Jahrhunderten endlich ihre Unabhängigkeit vom klösterlichen Fürststift Kempten.

Die Doppelstadt, bestehend aus Fürststift Kempten und freier Reichsstadt Kempten, stand noch weitere 300 Jahre im Spannungsfeld zwischen direktem Nebeneinander, bedingter Kooperation, Rivalität und offener Antipathie. Anekdoten über nachbarschaftliche Streitereien aus der Zeit der Doppelstadt Kempten können Sie heute noch bei der Stadtführung „Das vereinte Kempten – Doppelstadtführung“.

Gemalte Darstellung eines Fürstabts

Um sich weiter vom Stift Kempten abzugrenzen, schließt sich die freie Reichsstadt Kempten in den darauffolgenden Jahren den Lehren Luthers an. Das Fürststift Kempten blieb weiterhin dem katholischen Glauben treu. Die Rivalität zwischen den beiden konkurrierenden Kempten nahm weiter zu und fand ihren Höhepunkt im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648). Während diesem standen sich Fürststift Kempten und die freie Reichsstadt Kempten auf verfeindeten Seiten gegenüber. Beide erlitten große Verluste, unter anderem wurde die Kemptener Residenz vollständig zerstört.

Bereits drei Jahre nach Ende des Krieges prägte ein weiterer Fürstabt die Geschichte Kemptens maßgeblich: Der junge Roman Giel von Gielsberg begann trotz großer finanzieller Schwierigkeiten mit dem Neubau der Residenz – dem Kloster und Herrschaftssitz der Kemptener Fürstäbte. Etwa 80 Jahre später wurden die Wohnräume in der Residenz prunkvoll ausgestaltet. Die üppig und beeindruckenden Prunkräume können Sie heute noch bestaunen und den Glanz der damaligen Epoche nacherleben.

Säkularisation und Mediatisierung – die Doppelstadt wird bayerisch

In der Geschichte Kemptens zeichnete sich bereits Anfang des 19. Jahrhunderts aufgrund der voranschreitenden Säkularisation und Mediatisierung ab, dass die Eigenständigkeit der beiden Städte Kempten nicht mehr von langer Dauer sein wird. Ob die Vereinigung der ehemaligen Doppelstadt oder die Tatsache, dass Sie bayerisch wurden für mehr Unmut bei den Menschen sorgte, lässt sich heute leider nicht mehr klären. Die Notiz eines Pfarrers von 1802 „Wir sind also bairisch. Gott gnade uns allen.“ lässt aber wenig Spielraum für Spekulationen.


Im Jahr 1818 wird es dann amtlich: aus der Doppelstadt Kempten – mit den verfeindeten Teilen Reichsstadt und Stiftstadt – wird die vereinte Stadt Kempten.

Danach war es aber noch ein weiter Weg, bis sich auch die Bürger*innen mit dieser neuen Situation anfreunden konnten. Die offizielle Vereinigung der ehemaligen freien Reichsstadt und Stiftstadt Kempten legte aber den Grundstein für die jetzige florierende und lebendige Allgäu-Metropole. Heute, über 200 Jahre später, ist Kempten wichtiges Wirtschaftszentrum, Hochschulstadt und mit seinem vielfältigen kulturellen Angebot die Metropole des Allgäus.


Eine chronologische Aufzählung der kompletten Stadtgeschichte, eine gekürzte Multivisions-Version „togo“ und viele weitere spannende Themen aus der Geschichte Kemptens finden Sie im Kempten-Museum im Zumsteinhaus – Eintritt frei!

die doppelstadt wird bayerisch

Säkularisation und Mediatisierung

In der Geschichte Kemptens zeichnete sich bereits Anfang des 19. Jahrhunderts aufgrund der voranschreitenden Säkularisation und Mediatisierung ab, dass die Eigenständigkeit der beiden Städte Kempten nicht mehr von langer Dauer sein wird. Ob die Vereinigung der ehemaligen Doppelstadt oder die Tatsache, dass Sie bayerisch wurden für mehr Unmut bei den Menschen sorgte, lässt sich heute leider nicht mehr klären. Die Notiz eines Pfarrers von 1802 „Wir sind also bairisch. Gott gnade uns allen.“ lässt aber wenig Spielraum für Spekulationen.
Im Jahr 1818 wird es dann amtlich: aus der Doppelstadt Kempten – mit den verfeindeten Teilen Reichsstadt und Stiftstadt – wird die vereinte Stadt Kempten.
Danach war es aber noch ein weiter Weg, bis sich auch die Bürger*innen mit dieser neuen Situation anfreunden konnten.
Die offizielle Vereinigung der ehemaligen freien Reichsstadt und Stiftstadt Kempten legte aber den Grundstein für die jetzige florierende und lebendige Allgäu-Metropole.

Heute, über 200 Jahre später, ist Kempten wichtiges Wirtschaftszentrum, Hochschulstadt und mit seinem vielfältigen kulturellen Angebot die Metropole des Allgäus.
Blick auf die Stadtmauer in Kempten
Außenansicht der St.-Mang-Kirche

REichsstadt kempten

Die St.-Mang-Kirche im Zentrum der ehemaligen Reichsstadt
Blick auf die Basilika St. Lorenz vom Hofgarten aus

Fürststift Kempten

Die Basilika St. Lorenz und Residenz mit dem Sitz der Fürstäbte
Außenansicht des Zumsteinhaus bei strahlendem Sonnenschein
Hildegard

Kempten Tipp-Geberin

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Gezeichnete Darstellung der Hildegard

Wildehilde Tipp

Wahrlich eine fabulöse Historie hat meine Lieblingsstadt! Eine Stadtchronik, eine gekürzte Multivisions-Version „to go“ und weitere spannende Themen aus der Geschichte Kemptens finden Sie im Kempten-Museum – Eintritt frei!